«The magic happens
outside of your comfort zone» Barbara Jäggi

Scham und Groll

Juli 23rd, 2026

Scham und Groll sind tief in uns eingeprägte Zustände, die aufzeigen, dass das Auftauchen mit unseren Bedürfnissen einst nicht willkommen war.
Ausdruck von Wut war nicht willkommen oder Protest wurde erstickt.

Sie sind schwer zugänglich für uns selber, weil Scham und Groll uns einst geschützt haben vor dem Schmerz. Oft ist es Wut oder Protest, ein Unwille, ein Streben nach Autonomie, das unterdrückt wurde.

Wir können mehr und mehr erkennen, wie wichtig der Zugang zu all unseren inneren Zuständen ist für unsere seelische und nicht zuletzt unsere physische Gesundheit.

Wenn wir sichere Räume schaffen, können wir uns die einst verborgenen Gefühle wieder zugänglich machen. Denn wenn sie an die Oberfläche kommen, können sie sich auflösen.
Wut oder Empörung oder Selbstbestimmtheit sind dann nicht mehr gefährlich.

Für uns Erwachsene scheint das nicht so schlimm zu sein. Doch für ein Kind kann Abwertung oder Ignorieren der kindlichen Bedürfnisse als lebensbedrohlich empfunden werden. Die Wissenschaft bringt dies immer mehr zum Bewusstsein. Nicht zuletzt NARM oder eben die Neuroregulation , die die Entwicklung unserer frühen Bindungsunterbrüche fundiert erforscht hat und mit ihrer Arbeitsweise einen evolutionären Schritt aufzeigen kann, was Heilung betrifft.

Scham und Groll aus ihrem Dornröschendasein zu befreien, macht uns freier. Es ist eine Freiheit, die sich ganz von selbst von innen heraus einstellt.

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Spiegelung

Juli 8th, 2026

Wenn ein Kleinkind in seiner Befindlichkeit, in seinen Emotionen und in seinem inneren Erleben feinfühlig gespiegelt wird, macht es eine grundlegende Erfahrung: Ich werde gesehen. Ich werde wahrgenommen. Ich bin in meinem Sein gemeint. Dieses Gesehenwerden – frei von Abwertung, Beschämung oder feindseliger Reaktion – ist zentral für die Entwicklung eines stabilen Selbstgefühls. Das Kind erlebt dadurch Bindung, Sicherheit und Anerkennung in seinem So-Sein.

In dieser frühen Resonanz entsteht nach und nach das Fundament für Selbstwert und Identität. Das Kind verinnerlicht, dass seine Gefühle da sein dürfen und dass es mit ihnen angenommen bleibt. Daraus kann sich ein inneres Erleben entwickeln wie: Ich bin wertvoll. Ich bin richtig, so wie ich bin. Ich darf Fehler machen, scheitern oder nicht genügen – und bleibe dennoch in meinem Wesen angenommen. Darin liegt eine wesentliche Grundlage für ein gesundes Selbstbild und für Self-Agency – also für die Fähigkeit, sich selbst als wirksam, verbunden und im eigenen Erleben verankert zu erfahren.

Bleibt diese Spiegelung aus oder ist sie mit Abwertung, Beschämung oder emotionaler Unsicherheit verbunden, können sich tiefe Überzeugungen bilden wie: Ich bin nicht gut genug. Ich bin nicht liebenswert. Ich bin nur dann wertvoll, wenn ich funktioniere oder leiste. Solche frühen Selbstzuschreibungen bleiben oft nicht auf der Ebene von Gedanken. Sie schreiben sich in das Nervensystem ein, in Beziehungserfahrungen, in Schutzmuster und schließlich in das verkörperte Sein. Sie prägen, wie ein Mensch sich hält, wie sicher oder unsicher er sich in Kontakt erlebt, wie viel Raum er sich nimmt, wie er fühlt, reagiert und sich in der Welt bewegt.

Hier setzt für mich die Arbeit mit Neuroregulation an. Wenn sich frühe Erfahrungen von Nicht-Gesehenwerden, Unsicherheit oder innerer Abwertung im Nervensystem eingeschrieben haben, braucht Veränderung oft mehr als kognitive Einsicht. Mit den Werkzeugen der Neuroregulation kann ein Raum entstehen, in dem neue Erfahrungen von Sicherheit, Selbstkontakt und innerer Kohärenz möglich werden. Eine zentrale Rolle spielt dabei auch die Spiegelung: das feinfühlige Wahrgenommenwerden in Emotionen, inneren Zuständen und Schutzreaktionen – ohne Bewertung, ohne Beschämung und ohne den Druck, anders sein zu müssen.

Durch wiederholte Erfahrungen von Regulation, Resonanz und Spiegelung kann sich allmählich wandeln, was sich früher als Mangel, Selbstabwertung oder tiefe Verunsicherung organisiert hat. Alte Überzeugungen wie Ich bin nicht gut genug oder Ich bin es nicht wert müssen dann nicht länger die innere Wahrheit bleiben. An ihre Stelle kann Schritt für Schritt eine neue verkörperte Erfahrung treten: Ich darf da sein. Ich bin gemeint. Ich bin wertvoll. Ich bin gut genug. In diesem Sinn verstehe ich Neuroregulation als einen Weg, Self-Agency zu stärken – nicht nur als inneres Konzept, sondern als verkörperte Erfahrung von Wirksamkeit, Würde, Verbundenheit und Sein

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Nicht müde werden

April 2nd, 2026

„Nicht müde werden, sondern dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hinhalten“

Hilde Domin

Gerade in Zeiten kollektiver Unsicherheit, wie wir sie aktuell erleben, können wir in uns selbst Gefühle von Angst und Ohnmacht erkennen.

Frühe Erfahrungen von Ohnmacht prägen unser Nervensystem tief.

Ein Kleinkind braucht Sicherheit und Geborgenheit – fehlen diese, entwickelt es Strategien, um zu überleben und passt sich an. Doch was als Kleinkind einmal überlebenswichtig und richtig war, ist im Erwachsenenalter nicht mehr hilfreich.

Diese Muster bleiben oft bestehen und zeigen sich später als Unsicherheit, innere Isolation, das Gefühl, festzustecken oder ein starkes Bedürfnis nach Kontrolle.

Durch Neuroregulation – in sicherem Kontakt und einem geschützten Raum – können sich alte Prägungen und daraus entstandene Selbstbilder wandeln.

So können wir mehr und mehr die Erfahrung machen, dass das Lebendige, eben auch das was wir nicht kontrollieren können oder müssen.

Das bringt mehr innere Flexibilität, Lebendigkeit und Ruhe im Körper wie im Kopf.

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Abenteuer

März 25th, 2026

Das wahre Abenteuer findet nicht im Aussen statt. Oder besser gesagt; es beginnt nicht im Aussen.

Nicht auf Gipfeln.
Nicht in Mutproben, ob ich alleine im Wald übernachten kann.
Nicht darin, wie weit ich gehe oder wie hoch ich steige.
Oder zumindest: nicht nur.

Das wahre Abenteuer beginnt in mir .
Dort, wo ich still werde.
Dort, wo ich aufhöre , automatisch zu reagieren.

Dort, wo ein neuer Raum entsteht:
der Raum, in dem ich wählen kann.
Mich wählen kann.
Freiheit ist nicht das laute „Ich bin frei!“ nach aussen.
Freiheit ist leise.
Tief.
Verkörpert.
Vielleicht bescheiden.

Es ist das Lösen der alten Muster in mir,
Meiner angelernten Anpassungen,
meiner Konditionierungen.
Schicht für Schicht.

Und genau das ist die grosse Reise.
Die vielleicht mutigste überhaupt.

Um dann damit in die Welt, in Beziehung zu treten.

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In der Arbeit mit Neuroregulation stehen innere Führung und Selbstwirksamkeit des Klienten im Zentrum. Als Coach führen wir den Klienten nicht irgendwohin und auch nicht zurück in seine Geschichte oder in frühere verletzte Zustände der Kindheit. Stattdessen arbeiten wir direkt im Hier und Jetzt – mit dem Nervensystem und mit dem gegenwärtigen Erleben.

Der Klient selbst besitzt die innere Führung. Er entscheidet, was er zulassen kann und was nicht. Durch unsere Präsenz als Coach, unsere Gegenwärtigkeit und durch das Spiegeln dessen, was wir wahrnehmen, entsteht ein Raum von Sicherheit und Kontakt. Diese tiefe, aufmerksame Präsenz ermöglicht es dem Klienten, wieder in Kontakt mit sich selbst zu kommen.

In diesem sicheren Rahmen können verborgene Gefühle auftauchen – vielleicht Schmerz, Trauer oder andere lange zurückgehaltene Empfindungen. Weil der Klient dabei nicht allein ist, sondern in Beziehung und Resonanz bleibt, wird es möglich, diesen Gefühlen zu begegnen.

Auf diese Weise kann der Klient den Zugang zu sich selbst wiederfinden – zu seinem eigenen inneren Erleben. Daraus heraus entsteht ein innerer Wandel: Er kann erkennen, wie frühere Erfahrungen zu verzerrten Selbstbildern geführt haben.

Dieses Erkennen schafft eine neue innere Ordnung. Wir sehen, dass wir nicht mehr das verletzte Kind von damals sind. Aus unserer erwachsenen Perspektive können wir Abstand gewinnen, das damalige Kind betrauern und ihm Mitgefühl entgegenbringen.

Gerade dadurch öffnet sich der Raum für das Jetzt – und für Neues.

Es scheint mir wichtig, diesen Kern der Arbeit zu beleuchten.

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Personare

Februar 28th, 2026

Wie unvergleichlich schön es ist,
wenn dein inneres Wesen immer mehr durchschimmert
durch all die angelernten Masken.
Wenn du beginnst, dein eigenes Wesen in dir zu erkennen,
Nicht die Maske spricht,
nicht die Rolle,
nicht das, was du gelernt hast zu sein.

Sondern etwas Tieferes,
etwas Echtes,
das durch alles hindurchscheint.

Und wie es sich anfühlt,
wenn du das wirklich spürst –
wenn du merkst, dass du in deinem Körper anwesend bist,

mit deinen Gefühlen,
mit deinem Atem,
mit deinem ganzen Sein.

Solche Momente dürfen sich immer mehr zeigen…

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Eine Ode ans Ehrliche Mitteilen

Februar 24th, 2026

„Jetzt bin ich an der Reihe.“

Dieser einfache Satz, der so ruhig und sanft daher kommt, aus mir heraus kommt, der mich staunen lässt, ob der sanften Klarheit. Dann erforsche ich den Nachklang dieser Aussage. Was bewegt das in mir? Was bewegt sich da in meinem Körper?
Wie ein neugieriges Kind erforsche ich meine Empfindungen, meine Gefühle, die Sprache meines Körpers. Empfindungen, die ich noch nie erlebte. Denen ich kaum Worte geben kann, weil sie so neu und unerfahren sind. Ich gebe ihnen Raum und staune.

Und hierbei hört mir jemand zu, ohne mich zu unterbrechen, ohne mich zu bewerten oder belächeln.

Da ist kein Kampf, wie sonst vielleicht: “ Jetzt bin ICH dran.“ Einfach nur ein Satz aus einer sanften Quelle.
Dass mich ein so ein einfacher Satz in der Tiefe erreichen, weil ich ihm nachlauschen und ihm Raum geben kann.
Diese Erfahrung möchte ich mit dir teilen. Weil Ehrliches Mitteilen nicht „nur“ selbstregulierend ist (und das alleine ist schon eine sehr schöne Erfahrung!), sondern auch heilsam sein kann.

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Den Körper bewohnen

Februar 12th, 2026

Wenn ich in mir wohne – meinen Körper bewohne und darin in Kontakt bin mit meinen Bedürfnissen – brauche ich keine grossen Ersatzbefriedigungen mehr. Nicht weil ich sie mir verbiete, sondern weil sie ihren Sinn verlieren. In der Nähe zu mir selbst entsteht eine intensive Lebendigkeit – vielleicht zuerst ungewohnt sie zu tolerieren, doch sie ist echt, unmittelbar und tragend.

Wenn die Beziehung zu mir selbst tragender wird, verschiebt sich auch die Qualität von Beziehungen im Aussen — weg von Bedürftigkeit hin zu echter Begegnung.

Indem ich meine kindlichen Bedürfnisse wahrnehme und in einen erwachsenen, mitfühlenden Raum integriere, werde ich mir selbst mehr und mehr zum Freund.

Hier leistet die Neuroregulation wertvolle Arbeit. Sie unterstützt dich, diese kindlichen Bedürfnisse, die einst einmal unterdrückt werden mussten, freizulegen und den damit verbundenen verzerrten Selbstbildern in ein Nährendes zu wandeln.

Aus dieser inneren Freundschaft, die dann entstehen kann, lösen sich alte Beziehungsmuster manchmal fast von allein heraus — wie Hüllen, die nicht mehr passen. Manche verabschieden sich leise, andere bewusst und aktiv. Andere neue dürfen entstehen. Was bleibt, sind Verbindungen, die nicht mehr aus Mangel entstehen, sondern aus Präsenz.

Und auf gleicher Augenhöhe.

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Würde

Januar 8th, 2026

Würde ist kein Zustand, den man sich durch Disziplin aneignen oder willentlich herstellen kann. Sie ist ein innerer Zustand, der sich einstellt, wenn wir innerlich aufgerichtet sind.

Wenn wir eins sind mit unseren Gefühlen, unseren Werten und unseren Bedürfnissen – wenn alles kongruent ist, ohne viele Worte.

Würde ist nicht laut. Sie hat etwas Stilles und zugleich etwas Klares. Sie führt uns dahin, die Dinge in unser Leben zu lassen, die wir brauchen, um mit uns in Kontakt zu sein und das was in uns ist, in die Welt zu bringen.

Es ist verkörpert gelebte Wahrheit.

Sie sucht nicht nach Anerkennung von aussen, sondern es ist das Anerkennen, was innen ist.

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Wintersonnenwende

Dezember 21st, 2025

Carlo Zumstein, für mich war er der Pionier im „modernen“ Schamanismus, der die alten mythischen Riten emporhob oder transformierte zu einem neuen energetischen transformativen Wirken im Sein (TAOB).

Ihm war damals klar, dass wir nicht einfach tolle Rituale kreieren können und die alten Fesseln in der Tiefe zu lösen. Es gibt da zwar schon einige die Tiefgang haben:-)

Ihm war bewusst, wie stark der Sog ist, in den alten bekannten Fesseln zu bleiben. Er war für mich der Erste, der uns in dieses Hinauswachsen aus dem alten Bewusstseinsmustern einlud; die Reise in die Dunkelheit zum Beispiel. Sie war schön. Doch da fehlte immer etwas zum Shift ins „echte“ Leben.

Er pflegte immer wieder uns mit kleinen Metafern zu berühren.

Etwa wie diese: Da sind 4 Menschen, die in der Wüste sind. Sie sind eingesperrt in einen Käfig. Vielleicht der eine oder andere sogar goldig.

Der Eine war gefesselt an den Füssen, der andere an den Händen. Wieder einer am Kopf und einer um den Bauch. Da kommt einer daher, öffnet den Käfig und löst die Fesseln. Sie können hinaus gehen aus ihrer Gefangenschaft. Sie gehen auch tatsächlich hinaus in die Wüste, in die Freiheit, in die Weite, in die Leichtigkeit.

Und sie gehen alle wieder zurück in ihren Käfig.

Es war damals so frustrierend dieser Ausgang der Geschichte. Carlo wusste um die Schwierigkeit, sich wirklich befreien zu wollen aus den alten Konditionierungen und Identifikationen.

Und dann erkannte auch ich, dass ich in einem Käfig war, der mir den Atem nahm.

Erst jetzt war ich bereit, mich diesen alten Fesseln zu stellen.

Ich lernte sie Stück für Stück zu befreien.

Und ich lernte Stück für Stück das Freie und das Leichte auch zu tolerieren.

Das ist der wirkliche Shift.

Über 30 Jahre bereiste ich unglaubliche Welten mit meiner Trommel. Sie waren so befreiend und erhellend. Für viele Jahre das Nährende für mich. Sie waren ja auch schön, diese Geschichten des Wandels.

Doch immer wieder riss „es“ mich hinunter in Tiefen, in Schwäche, in Krankheit…

Und ich schaffte es nicht, dies zu übersteigen.

Erst die Neuroregulation verhalf mir, mich in all den alten Prägungen zu erkennen. Und ebenso zu erkennen, dass alles eben auch in meinem Körper abgespeichert ist – diese toten Hunde.

Das was damals noch nicht bereit war, ist heute möglich.

Es gibt ein Leben, das wahrahft leichter, ehrlicher, entspannter, freier ist.

Und dafür bedanke ich mich hier am 21. Dezember zur Wintersonnenwende.

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