«The magic happens
outside of your comfort zone» Barbara Jäggi

Shift von Identifikationen

August 26th, 2026

Eine Klientin kommt mit einer starken Sehnsucht nach Kreativität und Lebendigkeit. In ihrem Erzählen ist viel Bewegung, Tempo und Überschwänglichkeit. Doch in dem Moment, in dem sie aus der Vorstellung in die unmittelbare Wahrnehmung kommt, verändert sich alles: Die Bewegungen werden langsamer, sie kommt in Kontakt mit körperlichem Schmerz und schließlich in eine ganz tiefe Stille.

Und gerade dort, wo zunächst scheinbar das Gegenteil von Lebendigkeit geschieht – in der Langsamkeit, im Stillstand, im Verweilen –, entsteht ein Raum, in dem etwas Neues erfahren werden kann. Sie muss nichts herstellen, nichts beschleunigen, nichts ausdrücken. Sie darf einfach da sein. Und aus dieser tiefen Ruhe heraus beginnt irgendwann ganz von selbst wieder Bewegung zu entstehen.

Vielleicht liegt genau darin eine wesentliche Erfahrung des neurosensitiven Malens sowie in der Neuroregulation: Wir begegnen nicht unbedingt dem, was wir uns unter Kreativität, Lebendigkeit oder Verbindung vorstellen. Wir begegnen dem, was sich in diesem Moment tatsächlich in uns bewegt – oder auch nicht bewegt.

Und manchmal verändert diese Erfahrung nicht nur unseren Zustand, sondern auch unsere Vorstellung davon, was Lebendigkeit überhaupt sein kann. Sie muss nicht laut, schnell oder überschäumend sein. Sie kann ganz still sein. Sie kann im Spüren liegen, im Verweilen, im Seinlassen, im tiefen Kontakt mit dem eigenen Körper. Und vielleicht entsteht genau daraus eine andere, unmittelbarere Form von Kreativität: nicht die Kreativität, die wir machen, sondern die, die aus dem Kontakt mit uns selbst heraus entstehen darf.

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