{"id":651,"date":"2016-12-22T08:16:18","date_gmt":"2016-12-22T08:16:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lamuna.ch\/blog\/?p=651"},"modified":"2016-12-22T08:22:38","modified_gmt":"2016-12-22T08:22:38","slug":"schwellengesprache-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lamuna.ch\/blog\/?p=651","title":{"rendered":"Schwellengespr\u00e4che 2"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-652\" title=\"Schwellengespra\u0308che 2\" src=\"https:\/\/www.lamuna.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/Schwellengespra\u0308che-2.jpg\" alt=\"\" width=\"314\" height=\"395\" \/><\/p>\n<p>Heute bin ich krank. Aber das ist ja auch ein ver\u00e4nderter und erweiterter Bewusstseinszustand. Das sogenannt Schwache wandelt sich in ein subtiles Wahrnehmungsnetz. Genauso ist es mit dieser Schwellenzeit mitten im Winter: feinstes Gewebe von Tr\u00e4umen.<br \/>\nAber welche?<br \/>\nIch betrete den heiligen Raum. Die Tore sind offen.<br \/>\nMein Bauch dr\u00fcckt. Owe! Was tut sich da? Sorge macht sich in mir breit, nimmt Raum ein.<br \/>\nK\u00f6nnte es etwas Schwerwiegendes sein? Oder ist es nur Stress?<br \/>\nMeine Sorge verdichtet sich zu einer Gestalt: die Sorge leibhaftig betritt den Raum.<br \/>\nEs ist eine weibliche Gestalt. Vor sich h\u00e4lt sie eine alte Kaffeem\u00fchle. Sie dreht und dreht den Hebel ohne inne zu halten.<br \/>\nIhre ganze Aufmerksamkeit ist dieser Kaffeem\u00fchle gewidmet. Ihr Gesicht zusammen gezogen zu tiefen Sorgenfalten.<\/p>\n<p>&#8222;Was machst du da?&#8220; spreche ich sie an.<br \/>\n&#8222;Ich mahle.&#8220;<br \/>\n&#8222;Was mahlst du?&#8220;<br \/>\n&#8222;Ich zermahle meine Sorgen.&#8220;<br \/>\n&#8222;Du mahlst ja die ganze Zeit!&#8220; meine ich.<br \/>\n&#8222;Ja, ich habe viele Sorgen.&#8220; sagt sie besch\u00e4ftigt. &#8220; Ich muss sie ganz fein zermahlen, Wort f\u00fcr Wort.&#8220;<br \/>\n&#8222;Warum machst du dir Sorgen?&#8220; frage ich.<br \/>\n&#8222;Ich mache mir Sorgen um die Kriege in der Welt, um den Hunger in der Welt, um die schwindenden Ressourcen. Um all die unschuldigen Tiere.<br \/>\nUm die Enge, die sich in den Herzen der Menschen verdichtet.&#8220;<br \/>\n&#8222;He, halt doch mal an!&#8220; sage ich und merke, dass mein dr\u00fcckender Bauch nun nicht mehr relevant ist.<br \/>\n&#8222;Warum sollte ich?&#8220;<br \/>\n&#8222;Halt einfach mal an und schau dich um!&#8220;<br \/>\nDie Sorge h\u00e4lt nun inne, doch erstaunt \u00fcber der Heftigkeit meiner Aufforderung.<br \/>\nIhr Gesicht ist eng, die Augenbrauen zusammen gekniffen. Sie schaut mich unsicher an.<br \/>\n&#8222;Ja, was soll ich denn schauen?&#8220; fragt sie.<br \/>\n&#8222;Schau dich um. Schau um dich herum.&#8220;<br \/>\n&#8222;Da ist nichts.&#8220; sie schaut wie ins Leere.<br \/>\n&#8222;Ja, sakra nochmal! Schau halt weiter!&#8220;<br \/>\nDa erblickt sie das Fenster. Sie schaut zum Fenster hinaus. Irgendwie muss sie weit hinaus schauen, so scheint mir.<br \/>\nVielleicht ab der vielen engen Sorgen, denke ich.<br \/>\n&#8222;Da ist ja Himmel &#8211;\u00a0 und ein Wald weit draussen.&#8220;<br \/>\n&#8222;Ja.&#8220; sage ich.&#8220; Und was siehst du noch?&#8220;<br \/>\n&#8222;Ich sehe sch\u00f6ne B\u00e4ume, diese dunkelgr\u00fcnnen Tannen. Ich erinnere mich an ihren Geruch nach dem Harz. Ich liebe den geruch von Harz.&#8220;<br \/>\n&#8222;Ja!&#8220; ich werde ganz begeistert.&#8220; Hilf mir beim Schauen der Welt! So wie sie ist, und nicht mehr und nicht weniger.<br \/>\nHilfst du mir? Ich kann es auch noch nicht so gut.&#8220;<\/p>\n<p>Die Sorge nickt. Ihre Gesichsz\u00fcge erhellen sich. Langsam legt sie ihre Kaffeem\u00fchle beiseite und wir steigen in unsere Schuhe und gehen gemeinsam hinaus in die Welt und schauen staunend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute bin ich krank. Aber das ist ja auch ein ver\u00e4nderter und erweiterter Bewusstseinszustand. Das sogenannt Schwache wandelt sich in ein subtiles Wahrnehmungsnetz. Genauso ist es mit dieser Schwellenzeit mitten im Winter: feinstes Gewebe von Tr\u00e4umen. Aber welche? Ich betrete den heiligen Raum. Die Tore sind offen. Mein Bauch dr\u00fcckt. Owe! Was tut sich da? 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