{"id":1137,"date":"2021-12-31T09:27:00","date_gmt":"2021-12-31T09:27:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.lamuna.ch\/blog\/?p=1137"},"modified":"2021-12-31T09:27:00","modified_gmt":"2021-12-31T09:27:00","slug":"tempelschlaf-der-isis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.lamuna.ch\/blog\/?p=1137","title":{"rendered":"Tempelschlaf der Isis"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-image size-large is-style-rounded\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.lamuna.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Isis-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1138\" srcset=\"https:\/\/www.lamuna.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Isis-768x1024.jpg 768w, https:\/\/www.lamuna.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Isis-348x464.jpg 348w, https:\/\/www.lamuna.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Isis-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/www.lamuna.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Isis-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/www.lamuna.ch\/blog\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Isis.jpg 1772w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Der Tempelschlaf ist ein alter heiliger Ritus, der zur\u00fcckgeht \u00fcber die Orakelweisheit der Pythia in Griechenland und dar\u00fcber hinaus zum \u00e4gyptischen Tempel der Isis. Auch wenn heute nur Fragmente davon vorhanden sind, so k\u00f6nnen wir uns mit den Quellen uralten Wissens verbinden. Alles alte Wissen ist da, wenn wir unser Bewusstsein dahin lenken. Die Reisen gehen nicht mehr nach aussen, wo wir tausende von Kilometern zur\u00fccklegen, um die Orte der heiligen Riten zu erfahren. Die Reise geht nach Innen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Tempelschlaf bleiben wir bewusst eine Nacht lang an der Schwelle zwischen Wach- und Traumzustand. Dort an dieser Schwelle gelangen tiefere Seinsschichten an die Oberfl\u00e4che, die uns mit Heilkraft ber\u00fchren.So steige ich in den Tempel der Isis. Kurz davor noch ber\u00fchrt mich fl\u00fcchtig die Angst. Wage ich es, mich ganz von den Anhaftungen aller Konzepte zu l\u00f6sen, die mir bisher Struktur gaben, auch wenn sie noch so verr\u00fcckt zu sein schienen? Doch dann verschlingt mich die Dunkelheit und ich befinde mich im Tempel der Dunkelheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier herrscht die totale Stille. Ein dunkles Ruhen ohne jegliche Bewegung. Jeder Moment dehnt sich zur Ewigkeit aus. Hier entkommt keine noch so kleine Bewegung aus Gedanken, Gef\u00fchlen oder Taten.Ich sehe nichts in dieser Dunkelheit, und dennoch sehe ich alles.<\/p>\n\n\n\n<p>Die weisse Pythia, die Schlange aus dem Tempel der Orakelweisheit durchdringt mich und windet sich in meinem K\u00f6rper nach oben. An diesem Ort ist keine Angst.So ber\u00fchrt mich auch die G\u00f6ttin Isis. Sie ist m\u00e4chtig und gross.Doch ihre Macht ist das reine Dasein, die ungeteilte Aufmerksamkeit zu allem.<br>Es ist die Kraft des Nichtwissens und dennoch ist sie allwissend.<br>Sie bewirkt oder manipuliert nichts. Sie greift nicht ein, wo es nicht bereit ist zum Handeln.<br>So verweile ich still ruhend in der Dunkelheit in diesem Zustand, wo ich einen Hauch an Ewigkeit erahne. Es ist der Tempel des Urweiblichen. Es ist, als g\u00e4be es noch nichts auf der Welt. Keinen m\u00e4nnlichen Samen, der etwas befruchtet. In diesen Tempel finden keine M\u00e4nner. Oder nur die Furchtlosen und Sanften. Die meisten M\u00e4nner f\u00fcrchten diesen urweiblichen Ort. Hier entzieht sich die Kontrolle dar\u00fcber. Es ist auch die uralte Verletzung der Frauen, die abgeschnitten wurden von der Weisheit ihres dunklen Schosses. Ich beginne zu verstehen, dass dies Angst macht. Denn die Weisheit aus dem dunklen Schoss kann nicht kontrolliert werden. Sie steigt auf aus dem Unbekannten, aus dem Nichtwissen. Und doch ist es Medizin. Weil sie nicht anhaftet an einem heilerischen Ego. Der Verstand ist hier nicht anwesend.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Gnawas in Marokko kennen diese urweibliche Kraft des dunklen Schosses. Es ist die Aisha. M\u00e4nner wie Frauen f\u00fcrchten sie. Dennoch hat die Aisha einen festen Platz in ihren Heilritualen. Damals vor etwa 10 Jahren, als ich an den Heil- und Tranceritualen bei den Gnawas teilgenommen habe, wurde mir die Kraft der Aisha ans Herz gelegt. Damals habe ich sie getanzt zu den ohrenbet\u00e4ubenden Kl\u00e4ngen der Quarqabas und der Gembri. Als ich im Taumel des Tanzes nach hinten fiel, wurde ich sanft aufgefangen von den Ritualh\u00fcterInnen. Die wahre Kraft der Aisha beginne ich erst jetzt langsam zu begreifen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer langen Nacht erhebe ich mich und verlasse den Tempel. Draussen ist es noch dunkel, doch zeigt sich sanft das erste Erscheinen des Lichts. Langsam warte ich, bis es hell wird. Hier ist kein Schatten.<br>Verstehen tue ich es nicht. Wir sind es so gewohnt, alles verstehen zu wollen. Doch damit wollen wir das Erfahrene bereits wieder festhalten. Das Neuland, das wir beschreiten ist noch entfernt vom Verstehen. Es heisst f\u00fcr mich, diese Energie des Neuen anzunehmen.<br>Schritt f\u00fcr Schritt. Dann vielleicht kann ich zur\u00fcckschauen und die gemachten Spuren lesen, die entstanden sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Tempelschlaf ist ein alter heiliger Ritus, der zur\u00fcckgeht \u00fcber die Orakelweisheit der Pythia in Griechenland und dar\u00fcber hinaus zum \u00e4gyptischen Tempel der Isis. Auch wenn heute nur Fragmente davon vorhanden sind, so k\u00f6nnen wir uns mit den Quellen uralten Wissens verbinden. Alles alte Wissen ist da, wenn wir unser Bewusstsein dahin lenken. 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